LinkedIn, 360Brew und KI-Content: Warum echte Expertise jetzt wichtiger wird
- Remo Nyffenegger
- vor 2 Tagen
- 6 Min. Lesezeit
Von Remo Nyffenegger | CRM, Marketing & Sales | LinkedIn-Schulungen
LinkedIn verändert sich. Wieder einmal.
In den letzten Wochen wurde viel über 360Brew gesprochen. Also über die neue Logik, nach der LinkedIn Inhalte noch stärker nach Relevanz, Kontext, Fachlichkeit und Nutzerinteresse einordnen soll.
Gleichzeitig hat LinkedIn offiziell kommuniziert, dass die Plattform stärker gegen sogenannten AI Slop vorgehen will. Gemeint sind Inhalte, die zwar sauber klingen, aber wenig Substanz haben: generische Beiträge, wiederverwertete Floskeln, Engagement-Bait und KI-Texte ohne echte Perspektive. LinkedIn sagt dabei nicht: KI ist verboten. Im Gegenteil: KI darf beim Schreiben helfen. Aber Beiträge und Kommentare sollen die eigene Stimme, Perspektive und Erfahrung widerspiegeln.
Für Unternehmen, Selbständige und KMU ist das eine spannende Entwicklung.
Denn die zentrale Frage lautet nicht mehr nur:
Wie poste ich regelmässig auf LinkedIn?
Sondern:
Was habe ich wirklich zu sagen?
Und genau dort wird es interessant.

Was steckt hinter der Diskussion um 360Brew?
Der Begriff 360Brew wird aktuell stark in der LinkedIn- und Creator-Szene diskutiert. Dabei geht es vereinfacht gesagt um die Frage, wie LinkedIn Inhalte besser versteht, einordnet und den passenden Personen ausspielt.
Verschiedene Beiträge und Analysen beschreiben 360Brew als stärkere KI-gestützte Relevanzlogik, bei der nicht nur einzelne Engagement-Signale zählen, sondern auch Themenbezug, Profilkontext, Interaktionsverhalten und fachliche Passung eine grössere Rolle spielen sollen.
Wichtig ist aber: Hier muss man sauber bleiben.
Nicht alles, was aktuell unter dem Begriff 360Brew herumgereicht wird, ist offiziell bestätigte LinkedIn-Kommunikation. Ein Teil davon stammt aus Analysen, Creator-Beobachtungen und Interpretationen rund um LinkedIn-Forschung und Algorithmus-Diskussionen.
Aber auch wenn man den Begriff vorsichtig behandelt, ist die Richtung klar:
LinkedIn will relevantere Inhalte zeigen.Weniger generisches Blabla.Mehr echte Perspektive.Mehr Fachlichkeit.Mehr menschliche Substanz.
Und ehrlich: Das wäre nicht das Dümmste, was dieser Plattform passieren könnte.
Was LinkedIn zu KI-generierten Inhalten sagt
Die offizielle Botschaft von LinkedIn ist ziemlich klar: KI kann nützlich sein, aber übertriebene, automatisierte und generische KI-Inhalte verwässern die Qualität der Gespräche auf der Plattform. LinkedIn beschreibt AI Slop als Inhalte, die oberflächlich professionell wirken, aber keine eigene Perspektive oder Substanz bieten.
Besonders spannend ist die Aussage: KI darf helfen, Sprache zu verfeinern. Aber der Wert entsteht durch den Menschen hinter dem Tool. Inhalte sollen weiterhin die eigene Stimme und eigene Perspektive zeigen.
Das ist ein wichtiger Punkt.
Denn LinkedIn sagt damit nicht: „Nutzen Sie keine KI.“
LinkedIn sagt eher:
Nutzen Sie KI nicht als Ersatz für Denken.
Und genau das ist der Unterschied.
Warum generischer KI-Content ein Problem wird
Man erkennt sie inzwischen sofort: diese Beiträge, die perfekt formatiert sind, aber klingen wie alle anderen.
„Es geht nicht um X. Es geht um Y.“„Die meisten verstehen Thema Z falsch.“„Hier sind 7 Lektionen, die ich gelernt habe.“„Ich habe 30 Tage lang dies und das gemacht.“
Natürlich können solche Formate funktionieren. Das Problem ist nicht die Struktur. Das Problem ist die Leere dahinter.
Wenn ein Beitrag keine echte Erfahrung, keine klare Meinung, kein konkretes Beispiel und keinen fachlichen Mehrwert enthält, bleibt nur noch Verpackung.
Und Verpackung ohne Inhalt wird auf LinkedIn zunehmend schwieriger.
Das ist auch gut so.
Denn LinkedIn war nie stark, weil dort die schönsten Satzschablonen standen. LinkedIn ist stark, wenn Menschen aus ihrer Praxis erzählen. Wenn Fachpersonen Wissen teilen. Wenn Führungspersonen Haltung zeigen. Wenn Unternehmen Einblick geben. Wenn Diskussionen entstehen, die nicht nach Kommentar-Automat riechen.
Oder etwas frecher gesagt:
KI kann einen Beitrag schreiben. Aber sie kann keine echte Haltung faken. Zumindest nicht überzeugend.
Was das für KMU bedeutet
Für KMU ist diese Entwicklung eine Chance.
Warum?
Weil viele KMU genau das haben, was LinkedIn künftig stärker braucht: echte Geschichten, echte Kundennähe, echte Projekte, echte Erfahrung.
Das Problem ist selten, dass es keine Inhalte gibt.
Das Problem ist eher, dass diese Inhalte im Alltag nicht erkannt werden.
Da gibt es Kundenfragen, aus denen man starke Beiträge machen könnte. Da gibt es Projekte, die zeigen, wie viel Know-how im Unternehmen steckt. Da gibt es Verkaufsgespräche, in denen immer wieder dieselben Einwände auftauchen. Da gibt es Mitarbeitende, die extrem viel wissen, aber auf LinkedIn kaum sichtbar sind.
Viele KMU sitzen auf einem Content-Schatz und posten trotzdem generische Image-Sätze wie:
„Qualität steht bei uns im Mittelpunkt.“
Ja. Hoffentlich.
Aber das reicht nicht mehr.
LinkedIn belohnt nicht einfach Behauptungen. LinkedIn belohnt Relevanz, Einordnung und glaubwürdige Perspektiven.
KI bleibt trotzdem ein starkes Werkzeug
Jetzt wäre es falsch, KI schlechtzureden.
KI ist im Marketing und auf LinkedIn sehr wertvoll. Aber nicht als Autopilot.
KI kann helfen, Gedanken zu strukturieren. Aus Stichworten einen ersten Entwurf zu bauen. Varianten für einen Einstieg zu entwickeln. Einen Text zu kürzen. Einen Beitrag für verschiedene Zielgruppen anzupassen. Aus einem Blogbeitrag mehrere Social-Media-Posts abzuleiten.
Das ist sinnvoll.
Aber der Rohstoff muss aus dem Unternehmen kommen.
Erfahrung.Meinung.Kundenverständnis.Fachwissen.Kontext.Haltung.
Ohne diesen Rohstoff produziert KI nur schön formulierten Nebel.
Und davon gibt es auf LinkedIn bereits genug.
Was künftig auf LinkedIn stärker wird
Wenn LinkedIn tatsächlich stärker gegen generische KI-Inhalte vorgeht und Relevanz höher gewichtet, dann werden gewisse Dinge wichtiger.
Erstens: klare Themenpositionierung. Wer heute über alles postet, wird schwerer einzuordnen. Wer konstant zu klaren Themen schreibt, baut Wiedererkennbarkeit auf.
Zweitens: eigene Erfahrung. Beiträge aus echten Projekten, Beobachtungen, Kundengesprächen oder Führungsfragen wirken stärker als generische Tipps.
Drittens: fachliche Tiefe. Nicht kompliziert schreiben, aber substanziell. LinkedIn braucht nicht mehr Floskeln, sondern bessere Einordnung.
Viertens: menschliche Sprache. Nicht jeder Beitrag muss klingen wie ein Whitepaper mit Krawatte. Gerade auf LinkedIn funktionieren Texte, die professionell sind, aber trotzdem nach Mensch klingen.
Fünftens: echte Diskussion. Kommentare, die mehr sind als „spannend“ oder „danke fürs Teilen“, werden wichtiger. Sichtbarkeit entsteht nicht nur durch Posts, sondern auch durch gute Interaktion.
Was Unternehmen jetzt konkret tun sollten
Unternehmen sollten ihre LinkedIn-Strategie nicht panisch umbauen. Aber sie sollten sie schärfen.
Der erste Schritt ist eine klare Themenarchitektur. Welche drei bis fünf Themen sollen mit der Marke oder den Personen verbunden werden? Bei einem KMU können das zum Beispiel Fachwissen, Kundenprojekte, Branchentrends, Arbeitgeberthemen und konkrete Beratungserfahrungen sein.
Der zweite Schritt ist eine bessere Content-Quelle. Gute LinkedIn-Beiträge entstehen nicht am leeren Bildschirm. Sie entstehen aus dem Alltag. Aus Verkaufsfragen. Aus Kundenproblemen. Aus internen Diskussionen. Aus Projekten. Aus Fehlern. Aus Learnings.
Der dritte Schritt ist eine saubere Rollenklärung. Nicht nur die Unternehmensseite zählt. Gerade Mitarbeitende, Führungspersonen und Fachspezialistinnen können enorme Sichtbarkeit aufbauen. Menschen folgen Menschen. Nicht Logos mit Wochenplan.
Der vierte Schritt ist ein bewusster KI-Einsatz. KI darf unterstützen, aber nicht die eigene Stimme ersetzen. Jeder KI-Entwurf braucht Prüfung, Kanten, Beispiele und eine klare Meinung.
Warum das für LinkedIn-Schulungen wichtig wird
Diese Entwicklung verändert auch LinkedIn-Schulungen.
Früher reichte es oft, den Leuten zu zeigen, wie ein Profil optimiert wird, wie man Beiträge schreibt und wie man sinnvoll interagiert.
Heute reicht das nicht mehr.
Eine gute LinkedIn-Schulung muss stärker zeigen, wie Expertise sichtbar wird. Wie man aus Alltagssituationen Content entwickelt. Wie Mitarbeitende sicherer kommentieren. Wie Sales LinkedIn für Beziehungspflege nutzt. Wie Führungspersonen Haltung zeigen, ohne künstlich zu wirken.
Und vor allem: Wie KI sinnvoll eingesetzt wird, ohne dass am Ende alle Beiträge gleich klingen.
Denn genau das wird künftig ein Problem.
Wenn zehn Mitarbeitende mit demselben Prompt arbeiten, klingt das Unternehmen plötzlich wie eine KI-Schulklasse auf Betriebsausflug.
Kann man machen. Sollte man nicht.
Meine Meinung
Ich halte diese Entwicklung für positiv.
Ja, LinkedIn wird anspruchsvoller. Ja, schnelle Reichweiten-Tricks werden schwieriger. Ja, generischer Content bekommt es schwerer.
Aber genau das ist gut für Menschen und Unternehmen, die wirklich etwas zu sagen haben.
Für KMU ist das eine Riesenchance. Denn KMU müssen nicht wie grosse Marken kommunizieren. Sie müssen nicht glatt, perfekt und steril wirken. Sie dürfen konkret, nahbar und fachlich stark sein.
KI kann dabei helfen. Sehr sogar.
Aber KI darf nicht zur Ausrede werden, keine eigene Meinung mehr zu haben.
Oder kurz gesagt:
KI ist ein Werkzeug. Expertise bleibt der Unterschied.
Fazit: LinkedIn wird weniger nach Vorlage funktionieren
Die Diskussion rund um 360Brew und die offiziellen Aussagen von LinkedIn zu AI Slop zeigen in dieselbe Richtung: LinkedIn will relevantere, menschlichere und substanziellere Inhalte fördern.
Das bedeutet nicht, dass KI-Content verboten ist.
Es bedeutet, dass generischer KI-Content an Wirkung verliert.
Für Unternehmen und KMU heisst das:
Nicht mehr posten, weil man posten muss.Sondern posten, weil man etwas Relevantes beitragen kann.
Nicht einfach KI fragen: „Schreib mir einen LinkedIn-Beitrag.“Sondern zuerst klären: „Welche Erfahrung, Meinung oder Beobachtung wollen wir sichtbar machen?“
Die Zukunft von LinkedIn gehört nicht den lautesten Content-Maschinen.
Sie gehört den Menschen und Unternehmen, die Expertise verständlich, glaubwürdig und menschlich auf den Punkt bringen.
Und ganz ehrlich: Das ist eine gute Entwicklung.
Autor: Remo Nyffenegger – ich unterstütze KMU bei CRM-Einführungen, der Verzahnung von Marketing & Sales und mit LinkedIn- und Social-Media-Schulungen, damit aus Kontakten Kunden werden. Termin vereinbaren.
Inhaber Aletheia Marketing und Co-Founder «die Marketingexperten»
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