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Die grosse CRM-Lüge: Das Problem ist selten das System

  • Autorenbild: Remo Nyffenegger
    Remo Nyffenegger
  • vor 9 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Von Remo Nyffenegger | CRM, Marketing & Sales | LinkedIn-Schulungen


Wenn ein CRM-Projekt stockt, kippt die Diskussion oft sehr schnell in eine bestimmte Richtung :Das System sei zu komplex. Zu umständlich. Zu wenig praxistauglich. Die Benutzer würden es nicht mögen. Die Oberfläche sei nicht intuitiv genug. Der Anbieter habe zu viel versprochen.


Natürlich gibt es schlechte Tools. Keine Frage. Und ja, es gibt Systeme, die nicht sauber zur Organisation, zur Grösse des Unternehmens oder zur Prozesslogik passen.

Aber aus meiner Sicht liegt die eigentliche Ursache in vielen Fällen nicht im System. Sondern in der Organisation selbst.


Denn ein CRM ist kein Zauberkasten. Es ist auch kein digitales Feigenblatt für fehlende Vertriebsstruktur. Ein CRM verstärkt nicht automatisch gute Kundenarbeit. Es macht vielmehr sichtbar, wie sauber oder chaotisch ein Unternehmen bereits arbeitet.

Genau deshalb ist die grosse CRM-Lüge so hartnäckig: Viele hoffen, dass ein neues System Probleme löst, die in Wahrheit aus fehlender Klarheit, schwacher Führung, unsauberen Daten und mangelnder Konsequenz entstehen.


Salesforce verweist in seinem aktuellen State-of-CRM-Umfeld besonders auf die Bedeutung von Datenzugang, Datenqualität und Mitarbeiterbefähigung. Der Validity-Report zum CRM-Datenmanagement zeigt zudem eine ziemlich unbequeme Realität: 76 % der Befragten sagen, dass weniger als die Hälfte ihrer CRM-Daten korrekt und vollständig ist.

37 % berichten sogar von direkten Umsatzverlusten durch schlechte Datenqualität.

Das ist nicht einfach ein Technikproblem. Das ist ein Führungs- und Prozessproblem.



Warum das System so oft zum Sündenbock wird

Ein CRM-System ist sichtbar. Es hat eine Oberfläche, Felder, Ansichten, Klicks und Workflows. Man kann also wunderbar darauf zeigen und sagen: „Da liegt das Problem.“

Das eigentliche Problem ist nur: Viele Schwierigkeiten beginnen lange vor dem Login.

Zum Beispiel dann, wenn bereits vor der Einführung diese Fragen nicht sauber geklärt wurden:

  • Was genau soll das CRM für uns leisten?

  • Welche Prozesse müssen verbindlich abgebildet werden?

  • Wer pflegt welche Daten?

  • Welche Felder sind Pflicht und warum?

  • Was wird von Vertrieb, Marketing und Führung konkret erwartet?

  • Welche Kennzahlen wollen wir später überhaupt steuern?


Wenn diese Fragen nicht beantwortet sind, wird das System zur Projektionsfläche.Dann wird jede Reibung dem Tool angelastet, obwohl in Wahrheit die Organisation selbst unklar arbeitet.


Das eigentliche Problem: fehlende Ziele

Ein CRM ohne klares Ziel ist wie ein Fitnessabo ohne Trainingsplan. Man hat etwas gekauft, fühlt sich kurz organisiert – und nach ein paar Wochen passiert wieder dasselbe wie vorher.


Viele Unternehmen starten ein CRM-Projekt mit Aussagen wie:

  • Wir brauchen mehr Transparenz

  • Wir wollen professioneller werden

  • Wir müssen unsere Kundenbeziehungen besser managen

  • Wir möchten digitaler arbeiten


Das klingt gut. Ist aber als Ziel viel zu weich.


Ein CRM braucht konkrete geschäftliche Zielbilder. Zum Beispiel:

  • höhere Nachfassquote bei Leads

  • saubere Pipeline-Steuerung im Vertrieb

  • einheitliche Kundensicht über Teams hinweg

  • gezieltere Segmentierung im Marketing

  • bessere Forecast-Qualität

  • nachvollziehbare Aktivitätenhistorie bei Schlüsselkunden


Ohne diese Zielklarheit wird das CRM schnell zur Funktionssammlung ohne Richtung.


Prozesse schlagen Funktionen

Das ist einer der grössten Denkfehler in CRM-Projekten: Es wird zuerst über Features gesprochen und erst danach über Prozesse.

Dabei müsste es genau umgekehrt laufen.


Nicht die Frage „Was kann das Tool?“ sollte zuerst kommen.Sondern die Frage: „Wie wollen wir künftig arbeiten?“


Denn wenn ein Lead-Prozess intern nicht sauber definiert ist, bringt auch die schönste Pipeline nichts.Wenn nicht klar ist, wann aus einem Kontakt eine Verkaufschance wird, hilft kein automatisches Scoring.Wenn ein Aussendienstteam Aktivitäten nicht verbindlich dokumentiert, bleibt jede Kundenhistorie lückenhaft. Das CRM digitalisiert dann nicht einen guten Prozess.Es digitalisiert bloss Unklarheit.


Datenqualität: der stille Killer

Über Datenqualität wird in CRM-Projekten oft erstaunlich wenig gesprochen. Bis es kracht.

Denn schlechte Daten tun anfangs nicht weh. Sie wirken nur ein bisschen lästig. Ein paar Dubletten hier, ein veralteter Ansprechpartner dort, fehlende Branchenangaben, unklare Verantwortlichkeiten, halbleere Felder.


Später wird daraus ein echter Business-Schaden:

  • falsche Auswertungen

  • schlechte Segmentierung

  • unzuverlässige Forecasts

  • peinliche Kundenansprache

  • unproduktive Vertriebsarbeit

  • schwächere Automatisierung


Genau hier wird es spannend: Laut Validity sagen 76 % der Befragten, weniger als die Hälfte ihrer CRM-Daten sei korrekt und vollständig. 37 % berichten von Umsatzverlusten als direkte Folge mangelhafter Datenqualität. Salesforce beschreibt parallel Datenqualität und Datenverfügbarkeit als zentrale Voraussetzungen dafür, dass CRM überhaupt Wert schafft.


Frech gesagt: Viele Unternehmen wollen AI, Automatisierung und smarte Vertriebssteuerung – pflegen aber ihre Kundendaten wie einen Abstellraum.

Das kann nicht aufgehen.


CRM ist ein Führungsinstrument – oder es wird nie eines

Ein CRM lebt nicht von Schulungen allein.Es lebt von Führung.

Wenn die Geschäftsleitung und Vertriebsleitung das System selbst nicht ernst nehmen, wird es im Alltag kaum verbindlich genutzt. Wenn Pipeline-Reviews ohne CRM stattfinden, Forecasts aus Excel kommen und wichtige Notizen in privaten Postfächern verschwinden, ist die Botschaft glasklar: Das CRM ist optional. Und optionale Systeme sterben langsam.


Salesforce hebt in seinem aktuellen Umfeld zum State of CRM genau hervor, dass Mitarbeitende Unterstützung, Klarheit und die richtigen Rahmenbedingungen brauchen, um mit CRM echten Mehrwert zu schaffen. Das ist kein Nebenthema. Das ist Kern der Einführung. Ein CRM wird erst dann wirksam, wenn Führungskräfte es als Steuerungsinstrument nutzen und nicht als IT-Projekt betrachten.


Die unbequeme Wahrheit: Ein CRM macht Probleme sichtbar

Das ist vielleicht der wichtigste Punkt überhaupt:

Ein CRM erzeugt viele Probleme nicht.Es legt sie offen.


Plötzlich sieht man:

  • dass Leads nicht sauber nachverfolgt werden

  • dass Kundendaten uneinheitlich sind

  • dass Verantwortlichkeiten unklar bleiben

  • dass Teams nebeneinander statt miteinander arbeiten

  • dass Führung auf Bauchgefühl statt auf Daten steuert


Und genau das ist für manche Organisationen unangenehm. Denn solange Informationen in Köpfen, Excel-Listen und Einzelnotizen verstreut sind, bleibt vieles unsichtbar. Ein CRM bringt Struktur – und damit auch schonungslos Transparenz.

Nicht das System ist dann das Problem. Sondern die Tatsache, dass die bisherige Arbeitsweise im System plötzlich nicht mehr harmlos aussieht.


Was Unternehmen stattdessen tun sollten

1. Vor dem Tool die Ziele schärfen

Nicht mit System-Demos starten.Mit Klarheit starten.

2. Prozesse definieren, bevor Felder gebaut werden

Ein CRM soll einen sauberen Ablauf abbilden – nicht erfinden.

3. Datenverantwortung verbindlich machen

Datenqualität ist keine Nebenaufgabe. Sie ist operativer Werttreiber.

4. Nutzung konsequent führen

Was nicht kontrolliert, besprochen und eingefordert wird, verläuft im Sand.

5. CRM als Veränderungsprojekt verstehen

Nicht als Softwareeinführung, sondern als neue Art zu arbeiten.


Die grosse CRM-Lüge lautet: Wenn das System besser wäre, würde es funktionieren.

In Wirklichkeit lautet die ehrlichere Antwort oft: Wenn Ziele, Prozesse, Daten und Führung klarer wären, würde auch das System besser funktionieren.


Ja, das passende Tool ist wichtig. Aber es ist selten die eigentliche Hauptursache für Scheitern oder Erfolg. Ein CRM ist kein Wundermittel.Es ist ein Verstärker.

Es verstärkt Klarheit oder Chaos. Disziplin oder Beliebigkeit. Führung oder Ausreden.

Und genau deshalb ist das Problem so oft nicht das System. Sondern alles, was man ihm bequem in die Schuhe schiebt.


Autor: Remo Nyffenegger – ich unterstütze KMU bei CRM-Einführungen, der Verzahnung von Marketing & Sales und mit LinkedIn- und Social-Media-Schulungen, damit aus Kontakten Kunden werden. Termin vereinbaren.

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